Ehrenbürgerwürde an Bischof Dr. Gregor Maria Hanke O.S.B. verliehen
In Anerkennung und Würdigung seiner besonders großen Verdienste um die Stadt Berching hat der Stadtrat der Stadt Berching am 14. November 2006 beschlossen, seine Exzellenz den Hochwürdigsten Herrn Bischof Dr. Gregor Maria Hanke zum Ehrenbürger der Stadt Berching zu ernennen. Vielen von uns ist noch gut in Erinnerung, wie Pater Gregor Maria Hanke im Sommer 1993 von seinen Mitbrüdern zum Abt der Benediktinerabtei Plankstetten und damit zum jüngsten Abt Bayerns gewählt wurde. Plankstetten war in aller Munde und wir, die Berchinger, waren voll stiller Freude über unseren neuen Abt.
Schon in den Jahren zuvor hatte der junge Pater Gregor als erster Leiter des neu gegründeten Gäste- und Bildungshauses St. Gregor auf sich aufmerksam gemacht und seine Qualitäten als Visionär und Macher in der Praxis erprobt. Hinter der Gründung und dem Aufbau eines Bildungshauses steckt ja viel Konzeptarbeit und Planung. Auch an der Gründung und dem Aufbau der Schule der Dorf- und Landentwicklung Abtei Plankstetten war Pater Gregor maßgeblich beteiligt. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch seine Aktivitäten in der Jugendarbeit des Klosters – unter anderem im Jugendhaus Schneemühle.
Das Gäste- und Bildungshaus entwickelte sich nicht nur zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Standbein für die Abtei. Mit mehr als 12.000 Übernachtungen und einer Vielzahl an Seminaren, Tagungen und Fortbildungen ist das Haus St. Gregor heute auch ein bedeutender Faktor für den Tourismus in Berching sowie ein wohnortnaher Arbeitgeber für zahlreiche Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde.
Noch mehr als der Aufbau des Bildungshauses wird allerdings die Umstellung der Landwirtschaft auf eine ökologische oder - für ein Kloster passender ausgedrückt - auf eine schöpfungsbewahrende Wirtschaftsweise mit dem Namen Gregor Hanke verbunden bleiben.
In seiner zurückhaltenden Art hat Abt Gregor in seinen Präsentationen des ökologischen Gesamtkonzepts und der angestrebten Kreislaufwirtschaft der Abtei stets darauf hingewiesen, dass der gesamte Konvent diese tief greifende und auch mit großen Kosten und Risiken verbundene Umstellung mitgestaltet und mitgetragen hat. Das trifft sicherlich zu, ein benediktinischer Konvent ist schließlich nach der Regel des heiligen Benedikt ein zutiefst demokratisches Organ. Doch die Energie und Kraft zur Umsetzung hatte Abt Gregor.
In kürzester Zeit hat Plankstetten als das „Grüne Kloster“ bundesweite Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die Abtei entwickelte sich im Nu – ich weiß nicht, ob ich das bei einem katholischen Kloster so sagen darf - zu einem „Mekka der Ökolandbauszene“. Die großen Anbauverbände wie Bioland, Naturland und Demeter halten ihre Tagungen und Fortbildungen hier in der Abtei ab. Das Ökosoziale Forum, die Global Marshall Plan-Initiative, der Plankstettener Kreis, das bayerische Netzwerk Nachhaltige Bürgerkommune“, die politischen Parteien und viele andere tagen hier. Zahllose Fachbesucher und Exkursionsgruppen aus aller Welt kommen hierher, um sich aus erster Hand über die praktische Umsetzung des Autarkie- und Energiekonzepts der Abtei zu informieren. Die gesamte Bewegung für eine nachhaltige Entwicklung hat von Plankstetten wertvolle Impulse empfangen.
Aber mit der Umstellung auf eine ökologische Produktionsweise und dem Aufbau von regionalen Kreisläufen war natürlich auch eine Vorbildfunktion für die Region verknüpft. Mit Ihrem Beispiel haben Sie gezeigt, dass es tatsächlich möglich ist, regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen und den bei der Veredelung entstehenden Mehrwert in der Region zu halten.
Und, hochwürdigster Herr Bischof Gregor, es ist Ihnen damals auch gelungen, andere zu überzeugen und mitzunehmen. Mit den Anderen meine ich andere Landwirte, die auf eine ökologische Wirtschaftsweise umgestellt haben und zu Partnern der Abtei wurden. Und ich meine damit auch uns, die Kunden, welche die in der Region erzeugten und verarbeiteten Lebensmittel kaufen und genießen. Letzteres bleibt - wie jede Bewusstseinsbildung - eine Daueraufgabe.
Wir in Bayern kennen da allerdings ein Zaubermittel, dessen Sie sich gleich von Beginn an bedient haben. Sie werden es schon ahnen, ich meine das Bier. In Ihre Zeit als Abt fallen in Kooperation mit dem Riedenburger Brauhaus die Wiederaufnahme der Plankstettener Brautradition und die Wiederaufnahme der Plankstettener Maibocktradition. Trotz anfänglicher Querschüsse aus der Großen Kreisstadt hat sich das Plankstettener Ökobier mittlerweile fest etabliert und ist in allen Bioläden der Republik zu finden.
Äbte sind immer auch Bauherrn – gezwungenermaßen, denn bei einem so großen Klosterkomplex gibt es naturgemäß immer etwas zu sanieren. Auf Sie, Hochwürdigster Herr Gregor, trifft auch das zu. Aber Sie waren nicht nur Sanierer, sondern vielmehr Visionär und Gestalter.
Mit der Umstellung auf eine ökologische Produktionsweise und der Umsetzung des Autarkiekonzepts einher planten Sie tiefgreifende Umstrukturierungen und umfassende Umbaumaßnahmen:
Die Landwirtschaft musste völlig neu strukturiert werden und wurde in das neu konzipierte Klostergut auf dem Staudenhof ausgesiedelt.
Im unmittelbaren Klosterbereich wurde der Trakt für die benötigten Produktions- und Verarbeitungsstätten völlig neu errichtet. Im modernen Schlachthaus, in der Metzgerei und in der Bäckerei konnten von nun an die hier in der Region selbst oder von anderen Biobauern erzeugten Agrarprodukte weiterverarbeitet und veredelt werden. Natürlich durfte auch der Hofladen zur Vermarktung nicht fehlen und auch bei der Deckung des Energiebedarfs im Gästehaus, in den Produktionsstätten und im Konventbau setzten Sie mit dem Bau des Hackschnitzelheizwerks auf das Prinzip der Nachhaltigkeit. Damit waren die bestmöglichen Voraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung des Autarkiekonzepts geschaffen.
Man spricht heute viel von Netzwerken und wie notwendig sie sind, um erfolgreich die Herausforderungen unserer Zeit zu bestehen. Sie haben als Netzwerker im positiven Sinn von Beginn an mit konstruktiven Mitgestaltern ein Netzwerk aufgebaut und die Abtei neuen Einflüssen von Außen geöffnet. Dabei haben Sie stets vertrauensvolle Beziehungen zur Stadt Berching gesucht.
Zur Unterstützung der vielfältigen, gemeinwohlorientierten Aktivitäten und zum Erhalt der historischen Klosteranlage haben Sie den Freundeskreis Abtei Plankstetten gegründet. Sie waren im Lions-Club Beilngries aktiv tätig. Und nicht zuletzt haben Sie mit Unterstützung durch die Familie Huber die Konzertreihe „Klassik im Kloster“ mitbegründet.
Ich habe eingangs an die stille Freude erinnert, die viele von uns bei Ihrer Wahl zum Abt empfunden haben. Diese stille Freude war noch größer, als Sie – einer von uns – von Papst Benedikt zum Bischof der Diözese Eichstätt berufen wurden – trotz des Verlustes, der für die Abtei und für die Gemeinde damit verbunden war.
Mit Ihrer Berufung zum Bischof wurden Sie für uns zum Botschafter Plankstettens und Berchings in der großen Welt. Ihre Ideen, die hier in Plankstetten und Berching ihren Ursprung hatten und die hier erstmals erfolgreich in die Tat umgesetzt wurden, haben nun einen viel größeren Wirkungskreis.
Es macht mich als Bürgermeister stolz zu erleben, dass von unserer ländlichen Region solche Impulse ausgehen und Fachleute aus aller Welt von den hier gemachten Erfahrungen wissen wollen.
Mit der Auszeichnung „Ehrenbürger“ möchte ich den Dank der Stadt Berching, des Stadtrates und der gesamten Bevölkerung für Ihre schöpfungsbewahrende, nachhaltige und den Menschen in der Region dienende Entwicklungsarbeit überbringen. Sie haben mit Ihrem Konvent und mit Ihrem Netzwerk nicht nur die Abtei Plankstetten in eine neue Zukunft geführt, sondern aus Plankstetten und Berching ein überregional anerkanntes Zentrum für eine vorbildhafte und nachhaltige Entwicklung gemacht. Sie hatten eine Vision und haben diese mit ausdauernder Gestaltungskraft erfolgreich umgesetzt. Heute strahlt der einzigartige Ruf Plankstettens weit in die Region, das Gästehaus und die klösterlichen Betriebe sind ein bedeutender Arbeitgeber.
Sie überzeugen durch Ihre Gestaltungskraft, durch Ihre Fähigkeit, Mitstreiter zu gewinnen und gemeinsam mit ihnen erfolgreich zu gestalten, durch Verlässlichkeit, durch Ihr am Gemeinwohl orientiertes Handeln und nicht zuletzt durch Ihre geistliche und geistige Autorität!
In Würdigung Ihrer Verdienste um diese Stadt, um die nachhaltige Entwicklung unserer Region und das Gemeinwohl in dieser Stadt hat der Stadtrat einstimmig beschlossen, Sie zum Ehrenbürger der Stadt Berching zu ernennen.




